Die aktuelle Datenlage ist zweischneidig: Die Zahlungsdisziplin der Unternehmen ist stabil, die Wartezeit auf Geld wird trotzdem länger. Der Creditreform Zahlungsindikator Deutschland (Sommer 2026, Stand 03.08.2026) und die Insolvenzstatistik zeichnen ein klares Bild.
Die wichtigsten Zahlen
⌀ 32 Tage Zahlungsziel — Im 1. Halbjahr 2026 räumten Lieferanten ihren Kunden im Schnitt 32 Tage zum Bezahlen ein: der höchste Stand seit 2019 (Creditreform Zahlungsindikator, Sommer 2026).
⌀ 7,7 Tage Zahlungsverzug — Der branchenübergreifende Verzug ist stabil. Im ersten Quartal 2026 zahlten deutsche Unternehmen im Schnitt genauso pünktlich wie im Vorjahreszeitraum (Creditreform).
12.900 Unternehmensinsolvenzen — im 1. Halbjahr 2026, nach Hochrechnungen von Creditreform der höchste Stand seit 2013. Auch größere Unternehmen sind zunehmend betroffen.
+15,8 % — Anstieg der beim Statistischen Bundesamt gemeldeten Unternehmensinsolvenzen im Juni 2026 gegenüber Juni 2025 (Destatis).
Was steckt dahinter?
- Zweiklassengesellschaft bei Zahlungszielen: Großunternehmen erhielten laut Creditreform im Schnitt gut neun Tage länger Zeit zum Bezahlen als kleine Betriebe. Die Liquiditätslast wird nach unten weitergegeben.
- Ölpreisschock und Materialkosten: Steigende Energieund Rohstoffpreise infolge des Nahostkonflikts haben den Aufschwung im 1. Halbjahr 2026 gedämpft.
- Mehrjährige Konjunkturschwäche: Nach Jahren schwacher Investitionsneigung fehlt vielen Betrieben Puffer für längere Außenstände.
- Stabile Zahlungsmoral, längere Außenstandsdauer: Weniger Verzug heißt nicht schnelleres Geld — die längeren Zahlungsziele kompensieren den Effekt.
Was das für Gläubiger bedeutet
Rechnerisch warten Unternehmen damit rund 40 Tage vom Rechnungsdatum bis zum Zahlungseingang (Zahlungsziel plus Verzug). Bei steigenden Insolvenzzahlen entscheidet Geschwindigkeit: Wer erst nach Monaten mahnt, konkurriert im Insolvenzfall mit allen anderen Gläubigern um eine geringe Quote.
Was Gläubiger jetzt tun sollten
1. Frühzeitiger Mahnprozess: Warten Sie nicht zu lange. Die ersten 30 Tage nach Fälligkeit sind entscheidend für die Beitreibungsquote.
2. Digitales Forderungsmanagement: Automatisieren Sie Mahnläufe, Fristüberwachung und Eskalationsstufen.
3. Anwaltliche Unterstützung: Ab der zweiten Mahnung steigt die Erfolgsquote mit anwaltlichem Schreiben signifikant.
4. Bonitätsprüfung vor Vertragsschluss: Prüfen Sie neue Geschäftspartner systematisch — und zwar *vor* dem Vertrag. Wichtig: Nach dem BGH-Urteil vom 11.06.2026 (VII ZR 93/25 und 96/25) sind die Kosten einer erst nach Verzugseintritt eingeholten Schufa-/Bonitätsauskunft grundsätzlich kein erstattungsfähiger Verzugsschaden — sie bleiben bei Ihnen.
5. Nebenforderungen konsequent geltend machen: Verzugszinsen (seit 01.07.2026: 10,52 % p.a. im B2B, 6,52 % p.a. bei Verbrauchern, Basiszins 1,52 %) und die 40-Euro-Pauschale nach § 288 Abs. 5 BGB.
Fazit
Die Zahlungsmoral selbst ist 2026 stabil — das Risiko liegt in längeren Zahlungszielen und der höchsten Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit 2013. Wer sein Forderungsmanagement nicht professionell aufstellt, riskiert Liquiditätsengpässe — und im Zweifel den Ausfall. Weitere Forschung und Statistiken zum Mahnwesen und Zahlungsverhalten veröffentlicht das Mahninstitut. Mahndesk hilft Ihnen, Ihre Forderungen konsequent durchzusetzen.
Quellen
- [Creditreform Zahlungsindikator Deutschland – Sommer 2026 (03.08.2026)](https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/creditreform-zahlungsindikator-deutschland-sommer-2026)
- [Creditreform: Insolvenzen in Deutschland, 1. Halbjahr 2026](https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/insolvenzen-in-deutschland-1-halbjahr-2026)
- [Statistisches Bundesamt: Unternehmensinsolvenzen im Juni 2026 (+15,8 %)](https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_325_52411.html)
- [Deutsche Bundesbank: Basiszinssatz nach § 247 BGB](https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/organisation/agb-und-regelungen/basiszinssatz-607820)